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Geschichten » Otto Lilienthal


Otto Lilienthal (Flugpionier)



(* 23. Mai 1848 in Anklam, Provinz Pommern; † 10. August 1896 in Berlin - nach einem Absturz in Brandenburg am Vortag)

Otto Lilienthal

Lilienthals Vater, ein mathematisch und technisch begabter Mann, verstarb früh. Lilienthals Mutter, eine Musiklehrerin, die in Dresden und Berlin studiert hatte, mußte ihre drei Kinder fortan alleine erziehen. Sie legte dabei großen Wert auf Musik, setzte aber auch die durch den Vater begonnene technische Erziehung fort. Ihre Söhne Otto und Gustav besuchten von 1856 bis 1864 das Gymnasium in Anklam, im Mathematikunterricht trafen sie dabei auf Gustav Spörer. Die beiden führten schon 1862 erste Flugversuche durch: Sie beobachteten den Vogelflug, speziell von Störchen und bauten ein Flügelpaar aus Leisten und Buchenspanbrettern. Dann gingen sie nachts - um nicht verspottet zu werden - zum Kugelfang des Anklamer Schießplatzes, um die Flügel mit den Armen zu bewegend dem Wind entgegenzulaufen. Von der Mutter unterstützt richteten die beiden nun ihr ganzes Leben darauf aus, den einen Menschenflug durchzuführen. Der Flug der Störche blieb dabei die wesentliche Inspirationsquelle.

1864 besuchte Otto die Abteilung für Maschinenschlosser der Potsdamer Provinzialgewerbeschule, wobei er bei Verwandten lebte und seinen Unterhalt selber verdiente. Nach zwei Jahren begann er dann ein Praktikum bei der Berliner Maschinenfabrik Schwartzkopff. Er stieg in der Firma schnell auf und kam zunächst in das Zeichen-, dann in das Konstruktionsbüro. Während all dieser Zeit beschäftigte er sich weiter mit dem Menschenflug. Im Sommerurlaub 1887 bauten die Gebrüder Lilienthal in Anklam ihren zweiten Flugapparat, diesmal aus Palisanderholz und Gänsefeder nach in Berlin angefertigten Zeichnungen. Allerdings setzten sie wieder auf animierte Flügel, weswegen der Versuch erneut keinen Erfolg bringen konnte. So kamen ihnen Zweifel, ob ein Abheben vom Erdboden überhaupt möglich sei, zumal auch unter den wissenschaftlichen Autoritäten in dieser Frage keine Euphorie herrschte. Beispielsweise untersuchte Hermann von Helmholtz die Problematik und sagte 1872, das es kaum wahrscheinlich sei, dass der Mensch auch durch den allergescheitesten flügelähnlichen Mechanismus, den er durch seine eigene Muskelkraft zu bewegen hätte, in den Stand gesetzt werden würde, sein eigenes Gewicht in die Höhe zu heben und dort zu erhalten". Dies ist bekanntlich bis heute nicht widerlegt, wurde aber seinerzeit von der Öffentlichkeit derart missverstanden, als wäre ein Flug generell nicht möglich. Infolgedessen mussten sie die Lilienthals damit ständig auseinandersetzen.

Oktober 1867 begann Otto ein Studium an der von Franz Reuleaux geleiteten Gewerbeakademie Berlin, aus der später die TH Charlottenburg hervorging, bekam schnell ein Stipendium, und der Verkauf eines von den Brüdern selbst gebauter Tretroller brachte Geld für neue Versuche. So konnte unter dem Gelächter der Kommilitonen weitere Flugversuche durchgeführt werden. Nach dem Abschluss 1870 schlug Otto ein Angebot von Reuleaux aus, Assistent zu werden, und meldete sich als Einjährig-Freiwilliger für den Deutsch-Französischen Krieg. In einen Brief an seinen Bruder schrieb er über die Luftballons, welche die in Paris eingeschlossenen Gruppen nutzten. Dann kommt er mit neuen Plänen zurück. Um den Menschenflug doch noch realisieren zu können, versuchten die Gebrüder Lilienthal, mit einem eigenen Unternehmen Geld zu verdienen. Die ersten Versuche dazu schlugen fehl, die Entwürfe für einen Heißluftmotor brachten ebenso keine Einnahmen, wie das Patent für eine Schrämmaschine. Die ausgereiften Entwürfe für ein Kinderspielzeug mussten abgegeben werden, da die Entwicklung zu teuer gekommen wäre: Friedrich A. Richter kaufte sie und machte den Anker-Steinbaukasten weltberühmt, er wird noch heute hergestellt. 1881 erhielt Otto ein Patent für Schlangenrohrkessel, welches den erhofften Erfolg brachte: Eine kleine Werkstatt wuchs schnell zur Fabrik mit 60 Mitarbeitern, die selbstverständlich eine Abteilung für einen Flugzeugbau bekam. Das Unternehmen wurde überaus modern geführt. Schon 1890 erhielten die Arbeiter eine Gewinnbeteiligung, die 25% des Reingewinns ausmachte. Die Dampfkessel- und Maschinenfabrik Otto Lilienthal in der Köpenicker Straße 110/113, Berlin existierte unter diesen Namen noch bis zum 1. Weltkrieg.

1889 veröffentlichte Otto sein Buch Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst, welches seinerzeit als bedeutendste flugtechnische Veröffentlichung galt. Von der Allgemeinheit blieb es allerdings unbemerkt, sie beachtete nur den Ballonflug, was die Lilienthals bei ihren Aktivitäten sehr behindert. In seinen Werk betonte Otto nachdrücklich, man müsse den Vogelflug genau nachahmen. Er war sich ganz sicher, damit ans Ziel zu gelangen: "Die Nachahmung des Segelflugs muss auch dem Menschen möglich sein, da er nur ein geschicktes Steuern erfordert, wozu die Kraft des Menschen völlig ausreicht." Darüber hinaus befand er sogar, dass es die einzige Methode für den Menschen sei, schnell, frei und mit wenig Kraft fliegen zu können. Inzwischen hatten die Gebrüder längst erkannt, dass der Flügelform einer entscheidenden Bedeutung zukam: "Die wichtigste Erkenntnis dieser Jahre war die Entdeckung, dass gewölbte Tragflächen einen größeren Auftrieb liefern, als ebene." Diese Erkenntnis besaßen zwar auch andere Flugtechniker, aber die Lilienthals haben sie als einzige mit einer systematischen Vogelbeobachtung verbunden. Ihr Vorgehen "Vom Schritt zum Sprung, vom Sprung zum Flug" ermöglichte schließlich einen erfolgreichen Gleitflug. Im Verein zur Förderung der Luftschifffahrt, dem Otto schon seit 1886 angehörte, legte er seine viel beachteten Auffassungen in einem Vortrag wie folgt dar: "Es gibt nichts verkehrteres, als auf Grund theoretischer Arbeiten sogleich eine Flugmaschine fix und fertig bauen zu wollen. Beim Herumraten und planlosen Probieren komme für die Fliegekunst überhaupt nichts heraus. Der Übergang müsse vielmehr planvoll und schrittweise erfolgen."

1891 waren die erforderlichen theoretischen Untersuchungen abgeschlossen, nun ging es daran, Flugapparate im großen Umfang zu testen. Daran nahm Gustav nicht mehr teil, eine zeitweilige Krankheit, aber auch seine beruflichen Aktivitäten hinderten ihn daran. Infolgedessen ist der erste Menschenflug heute ausschließlich mit dem Namen Otto Lilienthal verbunden, wenngleich sein Bruder an den Vorbereitungen dafür entscheidend mitwirkte. Für die Versuche diente ein zusammenklappbarer Flugapparat, ein mit Schirting (mit Lack überzogenes Baumwollgewebe) bespannter Weidenholzrahmen. Seine Ausmaße: 6,6 m Spannweite, ca. 14 m² Tragfläche und eine größte Flügeltiefe von 2,5 m. Es begann mit Stehübungen gegen den Wind, gefolgt von Sprüngen vom Sprungbrett im Garten hinter dem Wohnhaus, die immerhin schon 6 bis 7 m Weite erreichten. Ab Sommer 1891 suchte Otto geeignete "Flugplätze" auf, zunächst ein geeignetes Gelände am Mühlenberg bei Derwitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark). Dort kam es schon zu 25 m weiten Flügen. Die gesamte freie Zeit nutzte Otto für zahllose Versuche, wobei er jeden Flug auswertete und den Apparat kontinuierlich verbesserte. Beispielsweise erhöhten vertikale und horizontale Schwanzflächen die Stabilität. Auch war er ständig auf der Suche nach einem geeigneten Übungsterrain, insbesondere um bei jeder Windrichtung gegen den Wind starten zu können. So gab es Versuche in einer Kiesgrube in Berlin-Steglitz, auf den Gollenberg bei Stölln, in den zwischen Rathenow und Neustadt gelegenen Rhinover Bergen und in Neustadt an der Dosse. Letztere Stelle wurde 1893 zum Hauptübungsplatz, dort kam schon zu Flugweiten von 300 m. 1894 ließ Lilienthal in Berlin-Lichterfelde auf sein Kosten einen 15 m hohen Hügel aufschütten, der sehr bald als "Fliegeberg" in aller Munde war.

Insgesamt hatte Otto Lilienthal in seinem Leben 21 Flugapparate, darunter auch Flügelschlagapparate gebaut. 1894 ging eines dieser Gleitflugzeuge, der so genannte Normalsegelapparat, in Serienproduktion, 1895 flog sogar ein Doppeldecker mit 5,5 bis 7 m Spannweite und 25 m² Tragfläche. Auch konstruierte er zwei Motoren für Segelflugzeuge, die aber nicht mehr zum Einsatz kamen. Durch Vorträge im Verein zur Förderung der Luftschifffahrt, Veröffentlichungen in der Zeitschrift für Luftschifffahrt und Physik der Atmosphäre, und der Zeitschrift Prometheus, Pressemeldungen und Fotografien der Flüge war Lilienthal nun überaus bekannt geworden. Zahlreiche in- und ausländische Besucher kamen nach Berlin, um sich die Flüge anzusehen, Ludwig Boltzmann und Octave Chanute wollten die Versuchsergebnisse in allen Einzelheiten erfahren. Besonders hervorzuheben ist Nikolai Jegorowitsch Schukowski, der 1895 nach Berlin kam und an den Flugübungen teilnahm. In einen Zeitschriftenaufsatz sagte er: "Die wichtigste Erfindung der letzten Jahre auf dem Gebiet der Luftfahrt ist der Flugapparat des deutschen Ingenieurs Otto Lilienthal."

1896 stürzte Lilienthal aufgrund einer "Sonnenbö" (thermische Ablösung) aus 15 bis 20 m Höhe ab, brach sich das Rückgrat und erlag einen Tag später, am 10. August 1896, dieser schweren Verletzung. Vom Absturzapparat ist ein Foto erhalten, das ihn auf dem Hof der Maschinenfabrik Lilienthal liegend zeigt. Nach seinem Tode arbeiteten viele Flugpioniere nach seiner Methode weiter, in den USA waren dies vor allem Octave Chanute und die Gebrüder Wright. Am 7. Juni 1988 erhielt der Berliner Flughafen Tegel den zusätzlichen Namen "Otto Lilienthal".

Von Lilienthal sind 25 Patente bekannt; nur 4 davon betrafen Flugapparate. Der Großteil betraf gefahrlose Dampfkessel und Klein-Dampfmaschinen.

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